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| Die Würde des Menschen ist antastbar: Aufsätze und Polemiken
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Verstehen lernen
• • • • • (bewertet mit 4 von 5 Punkten)
Alle meine Rezensionen ansehen Rezension bezieht sich auf: Die Würde des Menschen ist antastbar: Aufsätze und Polemiken (Taschenbuch) "Die Würde des Menschen ist antastbar" ist eine Auswahl aus dem Werk der Journalistin und späteren RAF-Terroristin Ulrike Meinhof. Alle in diesem Buch zu findenden Beiträge wurde in der studentisch-links geprägten Zeitschrift "konkret" während der Jahre 1959 bis 1969 veröffentlicht. Wenige Monate nach dem Veröfflichungsdatum des letzten Artikels dieses Buches tauchte Ulrike Meinhof in den Untergrund ab und begann von dort aus am bewaffneten Kampf gegen den Rechtsstaat der Bundesrepublik Deutschland teilzunehmen.
Nichts geschieht grundlos, vor allem nicht so ein radikaler Schritt wie ihn die erfolgreiche Journalistin und Autorin vollzog. Genau so könnte man den Gewinn beschreiben, den man als Leser aus diesem Buch ziehen kann. Von Artikel zu Artikel erkennt man deutlicher wie die Frustration und die Resignation gegenüber der Realität des gesellschaftlichen und politischen Systems zunehmen, sei dies nun in Bezug auf den Muff des Adenauer-Konservativismus oder die Debatte um eine nukleare Bewaffnung der BRD. Dabei ist vor allem symptomatisch, dass die Kritik Meinhofs stellvertretend für die eines großen Teils der Linken ungehört verhallte, so dass diese sich letztlich extremisierte und den Kampf gegen die als US-hörig wahrgenommende Regierung mit bewaffneten Mitteln fortsetzte.
Die Themen der Artikel beschäftigen sich hierbei aber auch noch mit weiteren politischen Themen ihrer Zeit von den Notstandsgesetzen der Bundesregierung über die Möglichkeiten der Kooperation mit dem Ostblock bis zu dem brutalen Vorgehen der deutschen Polizei gegen Studentenunruhen. Löblicherweise wurden in diese Ausgabe aber auch gesellschaftliche Artikel wie zum Beispiel über Heimkinderpädagogik, den Einfluss der Springerpresse auf die öffentliche Meinung und eine Reflektion über die Bedeutung des 20.Juli aufgenommen, die es dem Leser so ermöglichen ein facettenreicheres Bild von der sozialen Utopie Meinhofs zu erhalten.
Ein Vorteil wie auch ein Nachteil der Ausgabe kann es dabei sein, dass die Texte weitestgehend unkommentiert bleiben und so nur für sich stehen. So sehr dies zwar der Neutralität des Werkes zuträglich ist, so sehr macht dies es dem Leser schwer die Texte mit eventuellen konkreten Einschnitten in der Lebenswelt der Autorin in Verbindung zu bringen. Es empfiehlt sich also, sich vor dem Lesen dieses Buches ein gewisses Vorwissen über den Lebenslauf der Autorin anzueignen. Sehr zu empfehlen dafür wäre zum Beispiel eine Meinhof-Biografie, mit deren Hilfe man die Intensität der Texte nocheinmal deutlich steigern kann.
Wäre ein umfangreicherer Kommentar gegeben so hätte dieses Werk sicherlich fünf Sterne verdient, aber auch so bekommt diese gelungene Zusammenstellung immerhin noch vier, da sie dem Leser hilft den Weg der Linken und der Autorin in den Widerstand zu verstehen, sowie die politischen Überzeugungen und Gegensätze der damaligen Zeit zu reflektieren.
Eine Rezension von Ein Kunde
vom 22. April 2007 | | | | | | | |
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