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der Wüstling in uns allen
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Alle meine Rezensionen ansehen (REAL NAME) Rezension bezieht sich auf: Die 120 Tage von Sodom (Gebundene Ausgabe) Ich beginne meine Rezension mit einer kleinen Inhaltsangabe:
Vier abstoßende Subjekte, die es durch Hinterlist und Verbrechen zu einem nicht unerheblichen Reichtum geschafft haben, entscheiden sich, ihren Gelüsten in einem abgelegenen Schloss, dem niemand entfliehen kann, nachzugehen. Das Buch unterteilt sich in fünf Abschnitte: Einleitung und Teil 1 - 4. In der Einleitung werden uns die Protagonisten nahegebracht, Teile 1 - 4 sind Ausführungen über verschiedentliche Gelüste, die progressiv "amoralischer" werden. Teil 2-4 sind dabei auch im abnehmenden Maße ausformuliert. Man muss sich bewußt sein, dass dieses Buch ein Manuskript in Arbeit ist, welches der Verfasser nie beendet hat und zudem lange Zeit verloren geglaubt war.
Nun zur Atmosphäre und zum Inhalt dieses Werkes:
Pasolini hat in den 1970er einen Film selben Namens herausgebracht, der von diesem Buch inspiriert wurde. Dieser Film, "Saló oder die 120 Tage von Sodom", scheint Anlass für die Ermordung des Regisseurs gewesen zu sein und war sehr lange Zeit nicht verfügbar, weil unterdrückt. Der normale Mensch wird diesen Film über alles abstoßend finden.
Doch der Film kommt in keinster Weise an das Buch heran. Was für Grausamkeiten im Film zu sehen sind gibt es im Buch auf den ersten 50 Seiten. Es ist voll von ungöttlichen Widerwärtigkeiten, perversen Brutalitäten und praktischer Verachtung für jegliche Menschenwürde. In diesem Buch kommen unter anderem Praktiken wie der Verzehr menschlicher Ausscheidungen, derbe Verstümmelungen, Vergewaltigung und Sodomie vor. Dies alles fern jeder Grenze von "Hetero" und "Homo"-Sexualität und in JEDER vorstellbaren Kombination.
Manche Literaturkritiker streiten über die Einordnung de Sades unter das Genre "Pornographie", jedoch will ich niemals dem Menschen begegnen, der sich tatsächlich an diesen Gräueltaten erregen kann.
Ich bin selbst ein Mensch der sich an so einigem erfreuen kann, sehe extreme Horror, Exploitation und Splatterfilme ohne mit der Wimper zu zucken und ohne jetzt zu moralisieren gebe ich zu: Der Großteil dieses Buches ist selbst mir zu hart. Ich kann wirklich nur zwei bis drei Sätze am Stück lesen, denn dieser kleine Ausblick auf die lebende Hölle reicht mir. Wenn nur ein Tropfen Fähigkeit, sich mit den Opfern zu identifizieren in einem Menschen übrig ist, so ist dieses Buch schlichtweg ungenießbar.
Hinten auf dem Umschlag dieser Ausgabe wird gesagt das nichtsdestotrotz dieses Buch "notwendig" sei. Man kann sich jetzt fragen inwiefern es "notwendig" ist sich an Leid und Entwürdigung anderer Menschen zu erfreuen, hier die Antwort: Der Tyrann de Sade, der Böse Vergewaltiger, der ultimative "Sadist" lebt in uns allen. Und man kann nur kontrollieren was man kennt. Man darf diese infernalen Möglichkeiten der menschlichen Existenz nicht verdrängen, man muss sich ihnen (fiktiv!) stellen um über sie hinauszuwachsen. Wie sich in letzter Zeit gehäuft zeigte, sind es gerade die Menschen, die sich aufgrund von falscher Moral diesem Wüstling des Selbst entzogen haben, die die schrecklichsten Verbrechen begingen: von katholischen Priestern über Lehrern und generell Vertrauenspersonen im sozialen Bereich zu den muslimischen Terroristen.
Wer auf dieses Buch mit leidenschaftlichen Vorwürfen und wilden Anschuldigungen reagiert zeigt nur, dass er selbst sehr von im berührt wurde, es ist in der Tat ein mächtiges Werk.
Wer sich nach dieser Warnung noch imstande sieht, seinem inneren Wüstling zu begegnen, dem Wünsche ich Glück.
Bei dieser Ausgabe handelt es sich um einen Reprint der ungekürzten Privatausgabe von 1904.
Eine Rezension von Ein Kunde
vom 4. Oktober 2006 | | | | | | | |
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